2. Berliner Pflanzentauschtreff
In diesem Jahr fand am 12.05. das zweite Pflanzentauschtreffen des Hot Pain-Forums auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof statt. Die Wetteraussichten ließen bis kurz vorher nichts gutes vermuten. Aber ein wenig Kälte schreckte die Berliner Chilijünger nicht ab. Schließlich hatte man ja genug vor Ort, um sich notfalls von innen zu wärmen.
Um 10 Uhr trafen die ersten bereits auf dem Flughafengelände ein. Da ein gehöriger Wind wehte und es auf dem Flughafen tendenziell noch windiger ist, wurde die Speisetafel kurzerhand im Schutze eines Gebäudes aufgestellt. Da dieser windgeschützte Platz leider nicht als Grillplatz genutzt werden durfte, musste der Grill ein wenig weiter weg direkt im “Sturmgebiet” aufgestellt werden.
Der starke Wind war für mich persönlich diesmal auch nicht unbedingt mein Freund. Da ich diesjahr mit dem Fahrrad zum Treffen unterwegs war, machte mir der Wind gut zu schaffen. Vor allem, da mein Gepäck mit Colaflasche, Thermoskanne mit Tee, Grillutensilien, Grillfleisch, Pudding und Keksen für alle, Likörfläschchen und Tauschpflänzchen nicht gerade wenige Kilo auf die Waage brachte. Ein besonderes Vergnügen bereitete mir der Endspurt zum Flughafen, der sicher einen Kilometer steil bergauf führt. Mein Grillfleisch hatte ich mir damit redlich verdient.
Mit von der Partie waren, neben den üblichen Verdächtigen, zwei Mods unseres Forums, die eigens aus Hamburg und Nürnberg angereist waren, um den “wilden” Pflanzentausch zu beaufsichtigen und gegebenfalls TÜV-Siegel für geprüfte Pflanzen zu verteilen
Die Berliner zeigten sich von ihrer besten Seite und so wechselten einige Aufkleber zusammen mit den Pflanzen ihren Besitzer.
Nicht unerwähnt bleiben sollte das fantastische Essen! Es ist kein Geheimnis, dass die Mitglieder des Chiliforums kulinarisch weit fortgeschritten sind. Es gab selbstgemachte(n): Hamburger, Schaschlikspieße, Sate-Spieße, Bratwürste, Chili-Cevapcici, Kuchen, Kekse, Chili-Blätterteigtaschen, Minz-Tzaziki, Limón-Kräuter-Kartoffeln, Erdbeer-Chili-Wodka, Chili-Tequila und jede Menge tolle Saucen-Kreationen. Und von allem musste natürlich probiert werden, so dass man eigentlich schon pappsatt war, aber trotzdem noch stundenlang weiter gegessen hat.
Mein besonderes Highlight waren die kandierten Chilis. Saulecker… die ersten 5 Minuten. Sobald aber die Chili im Magen angekommen ist und sich die Zuckerkruste aufgelöst hat, entfaltet sich die ganze Wucht der Chilifrucht. Aua!
Das Rezept meines Brombeer Blasters werde ich hier noch kurzfristig einstellen. Der soll sich ja schon bis nach Hamburg herumgesprochen haben
Viele Pflänzchen fanden einen neuen Besitzer und so zog jeder Teilnehmer voll bepackt mit Grünzeug und einem glücklichen Grinsen teilweise weit nach 18 Uhr wieder heim. Das Wetter hatte im Übrigen Erbarmen: Es blieb den ganzen Tag trocken und fast alle waren am nächsten Tag mit einem ordentlichen Sonnenbrand gesegnet.
Auch in diesem Jahr soll es wieder ein Erntedanktreffen geben. Schließlich wollen die Produkte der Tauschlinge ja verkostet werden!
Mehr Bilder gibts wie immer hier!
Chilizucht 2012 – Die neue Saison beginnt!
Schwer ist sie – wie jedes Jahr – die Auswahl der Sorten. Von ehemals 38 Favoriten habe ich mit blutendem Herzen wieder einige Sorten gestrichen bzw. auf die Saison 2013 vertagt. Insgesamt sind nun 25 übrig geblieben.
Den Hauptteil machen auch diesjahr wieder die Chinense aus. Hier habe ich mich aber diesmal für relativ viele milde bzw. nicht superscharfe Sorten entschieden. Ziel ist natürlich auch ein geschmacklicher Vergleich. Die NuMex Suave Orange hatte es mir letzte Saison geradezu angetan. Auf sie habe ich aber diesmal zugunsten des Tests ähnlicher Sorten verzichtet. Obwohl ich nicht sicherstellen kann, ob nicht wieder eine bei der jährlichen Pflanzenbestellung bei Pepperking in den Warenkorb wandern wird.
Neben den zahlreichen Chinense sind viele Annuums dabei, darunter einige Jalapeño-Sorten. Mit Käse gefüllt und Speck umwickelt sind sie gerade vom Grill eine kulinarische Offenbarung! Leider waren meine Jalapeños des letzten Jahres nicht gerade mit Schärfe gesegnet. Ich hoffe, dass diesjahr wieder eine mit mehr Pepp dabei ist.
Ansonsten hat noch eine Baccatum den Weg auf die Sortenliste gefunden: die Rain Forest. Baccatums haben zumindest bei mir immer den Nachteil gehabt, dass sie erst sehr spät abgereift sind, teilweise erst nach Einsetzen des ersten Frosts. Daher ist es bei der Auswahl bei nur einer Baccatum geblieben.
Nun sind noch einige Dinge vorzubereiten. Anzuchterde erstehen, Sortenschilder fertigen und dann geht es hoffentlich nächste Woche unter die Erde!
| Lfd. Nr. | Sorte | Art |
|---|---|---|
| 1 | Early Jalapeño | c. annuum |
| 2 | Manabi Sweet | c. chinense |
| 3 | Puerto Rican Yellow | c. chinense |
| 4 | Czech Black | c. annuum |
| 5 | Santa Lucia Island | c. chinense |
| 6 | Jalapeño | c. annuum |
| 7 | Jalapeño TAM | c. annuum |
| 8 | Jamaican Hot Chocolate | c. chinense |
| 9 | Malaysia Long Red | c. annuum |
| 10 | Maule's Red Hot | c. annuum |
| 11 | Orange Lantern | c. chinense |
| 12 | Cherry Chocolate | c. annuum |
| 13 | Yellow Bumpy | c. chinense |
| 14 | Habanero Orange Apple | c. chinense |
| 15 | Royal Gold | c. chinense |
| 16 | NuMex Piñata | c. annuum |
| 17 | Santa Fe Grande | c. annuum |
| 18 | Palmichal negro | c. annuum |
| 19 | Rain Forest | c. baccatum |
| 20 | CGN22163 | c. chinense |
| 21 | Oxkutzcabian | c. chinense |
| 22 | Jalapeño Balls | c. annuum |
| 23 | Kitchenpepper Peach | c. annuum |
| 24 | Machu Pichu | c. chinense |
| 25 | Golden Treasure | c. annuum |
Milde Habanero – die NuMex Suave Orange
Heute möchte ich mal speziell eine Sorte vorstellen, die es mir diese Saison besonders angetan hat: die NuMex Suave Orange.
Warum stelle ich nun genau diese Chili vor? Nachdem ich im letzten Jahr sehr viel Gefallen am Aroma der Chinense-Sorten gefunden habe, aber an ein Verspeisen von mehr als einer Frucht angesichts der doch heftigen Schärfe nicht zu denken war, war ich für die aktuelle Saison auf der Suche nach einer milderen Habanero-Variante. Und bin mit der NuMex Suave Orange fündig geworden. Vorab zum Test ein paar Fakten:
Fakten
Die NuMex Suave ist eine Neuzüchtung des Chile Pepper Institut der New Mexico State University und trägt zwar das Aroma einer Habanero, nicht jedoch ihre Schärfe. Hier wurden die Gene für “Nicht-Schärfe” anderer milder Sorten hinzugefügt. Sie gehört damit zur Art Capsicum chinense, der auch Habaneros angehören. Die Pflanze kann ungefähr 1,30 m gross werden. Die Blätter sind chinense-typisch strukturiert und etwa 16 x 10 cm groß. Der Name leitet sich aus dem Spanischen ab, “suave” heißt hier “mild”.
Es gibt sie in den Sorten NuMex Suave Red und NuMex Suave Orange. Bei der roten Variante konnten 500 Scoville-Einheiten gemessen werden, bei der orangen waren es 835 Einheiten. Dies entspricht auf der Brenn-o-meter-Skala einem Schärfegrad von 1 bis maximal 2 – dagegen liegen Habaneros grundsätzlich mit einem Schärfegrad von 10 an der Spitze der Skala, schärfer ist nur die asiatische Bhut Jolokia mit einem Schärfegrad von 10+.
Test
Beim ersten Aufschneiden kommt einem schon das typische Habbi-Aroma entgegen. Mal ein Stück roh gekostet, weil ich nicht glauben konnte, dass nicht die ebenso typische Schärfe durchschlägt. Nein, sie ist komplett mild. Allerdings konnte mich der Geschmack im rohen Zustand nicht überzeugen.
Daher habe ich die Früchte mit Käse gefüllt, mit Olivenöl bestrichen und im Backofen schmoren lassen bis der Käse geschmolzen war. Und was soll ich sagen, das war ein Geschmackserlebenis sondergleichen! Von derart zubereiteten “richtigen” Habaneros konnte ich nicht mehr als eine hintereinander essen, weil mir persönlich z. B. hinterher der Magen Probleme bereitet.
Die Numex Suave Orange dagegen schmeckt wirklich genauso gut und man kann ohne Bedenken fünf oder mehr davon verspeisen. Und man braucht bei der Zubereitung nicht mal Handschuhe! Teilweise hält sich die Ansicht, Habaneros ohne Schärfe seien wie Whisky ohne Alkohol – mir persönlich kommt es aber auf den Geschmack an. Und wenn es eines Tages einen alkoholfreien Whisky gibt, der genauso schmeckt, sage ich nicht nein.
Für alle die, die auch mal eine harmlosere Habbi genießen wollen, sei die NuMex Suave Orange wärmstens zu empfehlen. Sie sieht gut aus, riecht gut, schmeckt gut und tut nicht weh – weder im Mund, Magen noch an Händen.
Die ersten reifen Früchte
Lange ist er her – der letzte Post.
Nachdem mein DSL-Modem mir erfolgreich den Dienst versagte und mein Internet-Provider das Ersatz-Modem immerhin zweimal zwar an die aktuelle Straße, aber an die alte Postleitzahl schickte, dachte ich Ende Juni, ich könnte nun endlich mal wieder ein Update verfassen und neue Bilder hochladen.
Es kam wie immer anders als geplant. Ich war gerade dabei, die Bilder zu bearbeiten und internettauglich zu formatieren, als mein Notebook nicht mehr weiterlief und sich auch nicht mehr starten lies. Weitere drei Wochen vergingen, bis ich nun endlich mein repariertes Notebook wieder in den Händen halte und auch die Internetverbindung wieder funktioniert.
Indes hat sich meine Chilizucht zu voller Pracht und Blüte entwickelt und auch die ersten Früchte konnte ich bereits ernten bzw. reifen aktuell ab. Allen voran die massig tragende Limón vom Berliner Pflanzentauschtreff. Inzwischen konnte ich schon 45 kleine zitronengelbe, aromatische Früchte ernten, die teilweise bereits Bestandteil einer Hot Sauce aus hauptsächlich Aprikosen geworden sind. Den Rest werde ich trocknen und zu Limón-Pulver verarbeiten.
Um dem langen Zeitraum zwischen dem letzten und diesem Post Rechnung zu tragen und die Entwicklung trotzdem noch nachvollziehbar zu machen, sind hier zunächst die Bilder von Ende Mai und dann die aktuellen eingestellt.
Chilizucht Ende Mai 2011
Für vergrößerte Ansicht die Bilder anklicken!
1 Habanero Black, 2 Gorria, 3 Rocoto Riese, 4 Pimenta da Neyde, 5 Fatalii White, 6 Bode Roxa, 7 7Pot Yellow Orange, 8 Golden Treasure, 9 Chile de Padron
Chilizucht Mitte Juli 2011
1 Habanero Black 1, 2 Habanero Black 2, 3 Chupetinha, 4 Habanero Yellow – wohl doch eher orange, 5 Gorria, 6 Golden Treasure, 7 Goronong, 8 Chile de Padron, 9 Piment de Piquillo – gar nicht mal so klein, 10 Nocturne, 11 Chupetinha, 12 Bode Roxa – die Schöne, 13 Jalapeño Grande, 14 Bhut Jolokia, 15 Habanero Mustard, 16 Limon, 17 Fatalii White, 18 Tazmanian Red, 19 Teil der Zucht Mitte Juli 2011
1. Berliner Pflanzentauschtreffen
Am Samstag, den 14.05.2011 fand zum ersten Mal ein Pflanzentausch- und Grilltreffen der im Hot-Pain-Forum aktiven Berliner statt. In Hamburg sind diese Treffen inzwischen schon zur festen Institution gereift. Da wollten wir Hauptstädtler natürlich nicht länger zurückstecken.
Für dieses Event bot sich der ehemalige Flughafen Tempelhof als Location geradezu an. Da sich die Berliner bislang nur über das Forum kannten und erstmal “Beschnuppern” wollten, musste niemandem zugemutet werden, die unbekannte Meute in seine Wohnung oder Garten zu lassen, um hinterher mit dem Chaos allein zu bleiben. Zudem liegt der Flughafen weitestgehend zentral, ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar und bietet ferner jede Menge Platz.
Die ersten Teilnehmer waren schon um halb elf Uhr morgens auf dem Feld. Gegen Mittag füllte sich die Gruppe mit weiteren aufgeschlossenen, humorvollen und gut gelaunten Chili-Liebhabern. Der Grill wurde angeheizt und die Verkostung der oftmals selbstgemachten Chiliprodukte angestoßen, bei der dem einen oder der anderen ab und an mal die Luft wegblieb. Für Milchprodukte zum Löschen des Feuers hatten aber alle vorgesorgt.
Insgesamt waren wir wohl zum Höhepunkt etwa 15 bis 20 Leute aus Berlin und dem weiteren Berliner Umland. Fast alle hatten eine sehr ansehnliche Auswahl an Pflanzen zum Tauschen und Abgeben dabei, so dass rund um unser Lager ein ordentlicher Chili-Wald aufgebaut war. Der musste allerdings gut geschützt werden, da über das Flughafenfeld ein gehöriger Wind wehte.
Gegen 16 Uhr begann dann die erste Aufbruchsstimmung und die, die schon als Erste dagewesen waren, waren denn auch die Letzten.
Alles in allem war es es wunderbares Auftakttreffen für hoffentlich viele weitere Berliner Chilitreffen. Es war schön, einmal die Gesichter hinter den zahlreichen Foreneinträgen zu sehen, die Zuchterfolge zu vergleichen, zu fachsimpeln, zu essen und am Ende des Tages mit einer ansehnlichen Anzahl an Tauschpflänzchen wieder von dannen zu ziehen.
Erbeutet habe ich u. a. folgende Sorten: Bode Roxa, Tepin, Habanero Cappuccino, Habanero Peach Bullet, Limón, Rocoto Riese, NuMex Suave Orange, Bolivian Bumpy und drei verschiedene Minze-Sorten.
Für den Herbst ist ein Erntedank-Treff angedacht. Ein Datum gibt es noch nicht. Näheres wird aber demnächst an bekannter Stelle im Hot-Pain-Forum zu finden sein.
Vielen Dank noch einmal an alle für den gelungenen Tag!
Mehr Fotos vom Treffen gibt es hier!
Ein Zwischenfazit: Verschlimmbesserung durch Überdüngung
Das Jahr 2010 war meine erste Saison, was den Anbau von Chilis betrifft. Von daher gab und gibt es noch eine Menge zu lernen und zu verbessern. Und so ist das regelmäßige Lesen von Berichten und Hinweisen erfahrener Chili-Bauern quasi Pflicht. Im Hot-Pain-Forum und vielen anderen Seiten findet man viele nützliche Informationen, Tipps und Hilfe, die die Zucht erleichtern und voran treiben. Während meiner Saison 2010 habe ich diese Informationen wie ein Schwamm aufgesaugt – alles mit dem Ziel, es in der nächsten Saison alles besser zu machen.
Zur geplanten Verbesserung zählten u. a.
- früher mit der Zucht zu beginnen, damit noch alle Früchte genug Zeit haben, vor dem ersten Frost abzureifen
- mehr unterschiedliche Sorten bezüglich Schärfe, Herkunft, Farbe und Form heranzuziehen, um die geschmacklichen und optischen Favoriten herauszufinden
- Dünger für die Langzeitwirkung direkt in die Erde mit hinein zu mischen, statt nur Flüssigdünger zu verwenden
Der frühe Beginn Anfang Januar funktionierte zunächst auch recht gut. Die Keimraten konnten sich sehen lassen und die Jungpflänzchen erhielten ihr Licht von einer selbst erstellten LED-Konstruktion. Allerdings hatte ich nicht bedacht, dass bei einer Innentemperatur von durchschnittlich 16 Grad deutlich weniger gegossen werden muss als im Hochsommer bei ganztägigem Sonnenschein. Zwar standen die Pflänzchen nicht im Wasser, aber Trauermücken aus meinem Weihnachtsstern entdeckten bald das feuchte Milieu für sich und ihren Nachwuchs. Das raffte trotz Umtopfen einen Großteil meiner Jungpflanzen dahin.
Die Pflanzen, die diese Katastrophe überlebt hatten, gediehen recht ansehnlich und zeigten Mitte März die ersten Blütenansätze. Beim Umtopfen in größere Keramiktöpfe mischte ich einen guten Schuss Beerendünger mit hinein. Und zwar offensichtlich einen zu guten Schuss, wie ich später leidvoll mitbekommen musste.
Meine prachtvollsten Pflanzen ließen auf einmal komplett die Blätter hängen. Teilweise wurden die Blätter gelb. Weder trocken halten noch gießen half. Nach und nach schmissen sie alle Blätter ab, bis nur noch ein trauriger Stengel da stand, der von oben braun eintrocknete. Erst viel zu spät habe ich begriffen, dass durch die großzügige Menge an Dünger die Wurzeln verbrannt sind. Und dass, obwohl ich bereits viel davon gelesen hatte! Auf die Idee kam ich, als ich mir meine Keramiktöpfe näher betrachtete und außen weiße Verkrustungen feststellte.
Die Pflanzen, die noch nicht komplett eingegangen waren, habe ich in komplett neue, ungedüngte Erde umgetopft. Die betroffene Fatalii White hat sich inzwischen erhalt. Die komplett kahle Sweet chocolate kämpft dagegen noch. Von ihr ist nur noch ein Stengel vorhanden, der aber bereits neue Blattansätze zeigt.
Mein Fazit daher: Wenn Langzeitdünger, dann nur eine sehr geringe Menge verwenden. Ansonsten kann ich den flüssigen Tomatendünger zum gießen empfehlen. Dieser hat bislang bei Anwendung nach Packungsinformation keine Schäden an meinen Pflanzen hervorgerufen.
Was den frühzeitigen Beginn betrifft, habe ich festgestellt, dass Pflanzen, die ich erst Ende Februar nachgesät hatte, bereits genauso, wenn nicht sogar größer als solche sind, die schon im Januar zum Keimen gebracht wurden. Ggf. werde ich diese Beobachtung zum Anlass nehmen, im nächsten Jahr Anfang Februar und damit einen Monat später als 2011 mit der Aussaat zu beginnen. Möglicherweise ist aber auch die Beleuchtung mit der jetzigen LED-Konstruktion noch nicht ganz ausgereift. Das werde ich im nächsten Jahr auf jeden Fall untersuchen.
Einzug ins Gewächshaus und Zuwachs
Angesichts des seit einigen Tagen anhaltenden hochsommerlichen Wetters durften die Pflänzchen schon vor zwei Wochen nach draußen ziehen. Allerdings vorerst ins Gewächshaus, da die Temperatur in einigen Nächten doch teilweise noch bis 4 oder 5 ° fiel. Im Herbst habe ich die Chilis zwar auch bei den Temperaturen im Freien stehen gelassen, jedoch möchte ich es nicht riskieren, die noch teils jungen und kleinen Pflänzchen dadurch auf einen Schlag zu verlieren. Der Schock mit den Trauermücken hat für diese Saison als Katastrophe gereicht. Bei Tagestemperaturen über 20 ° C und ständigem Sonnenschein muss man natürlich darauf achten, dass es im Gewächshaus nicht zu heiß wird. Daher steht die Tür tagsüber immer offen und wird erst bei den letzten Sonnenstrahlen geschlossen, um noch ein wenig Restwärme für die Nacht zu speichern.
Neben meinen Eigenzuchten habe ich auch diesjahr wieder ein wenig hinzu gekauft. Zum einen vom Online-Shop Pepperking, zum anderen im einschlägigen Baumarkt mit O und drei Buchstaben. Die Lieferung von Pepperking kam wie immer vorbildlich verpackt an. Allen bestellten Pflänzchen ging und geht es gut und es gab sogar als Überraschung noch eine nicht bestellte Chupetinho gratis dazu, ebenso ein Probierstückchen Chili-Mettwurst. Bestellte Pflänzchen: Habanero Yellow, Habanero White Bullet, Bhut Jolokia, Piementa da Neyde, NuMex Suave Orange, Goronong, Limón und eine Habanero Mustard.
Im Baumarkt wurden unter dem Titel “Drachenfutter” folgende Sorten angeboten: Tabasco, Padron, Jalapeño “Summer Heat”, Jalapeñoo”Jalastar F1″ und Habanero. Von jeder Sorte ist eine in den Einkaufskorb gewandert, außer der Tabasco, die leider nicht mehr verfügbar war.
In diesem Sinne wünsche ich zudem ein Frohes Osterfest!
Chilizucht 2011 – Eine erste Bilanz
Die Trauermückenplage scheint größtenteils überstanden. Angesichts dessen sowie der bereits vorangeschrittenen Zucht wird es nun allmählich Zeit, eine erste Bilanz über die Entwicklung der Privatplantage zu ziehen. Der Blick gilt dabei vor allem der aktuellen Keimrate, der Anzahl an Pflanzen je Sorte und insgesamt sowie der Verluste, die sich hauptsächlich durch das zu großzügige Bewässern und die darauf folgende Trauermückenplage eingestellt haben.
Einige Sorten haben bislang alles sehr gut weggesteckt, dazu gehört vor allem die Rarität Fatalii white. Beide gezogenen Pflanzen erfreuen sich eines prächtigen Wuchses. Da am 14.05.2011 ein Treffen der Berliner und Brandenburger Chiliheads im Flughafen Tempelhof stattfindet und großes Interesse bekundet wurde, habe ich vor einer Woche noch einmal eine Charge Samen der Fatalii white unter die Erde gebracht. Auch die Piment de Piquillo (Saatgut aus dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben) zeigen einen prächtigen Wuchs.
Andere Sorten wie die Jalapeño Conchos haben aus der Not eine Tugend gemacht und zeigen nach dem argen Blattverlust interesante Verzweigungen, die an den Blattbruchstellen herauswachsen. Einige Pflänzchen, bei denen nur noch der Hauptstengel mit den Keimblättern steht, treiben direkt von unten neu aus.
Totalverluste gab es leider bei folgenden Sorten: Jalapeño, Cueño (nur eine Pflanze gezogen) und Scarlet Lantern Peru. Letztere habe ich noch einmal erfolgreich nachgezogen. Kleiner Kirschpaprika, Malaysia Long Red und Pasilla ringen noch ums Überleben, die Hoffnung habe ich hier aber noch nicht aufgegeben. Bei der Sorte Black Habanero ist die Keimquote sehr gering, der erste Keimling hat erst gestern das Licht der Welt erblickt.
Die Sorten Jamaican Hot Chocolate, CGN 22207, Habanero Brown, Brown Egg und Aji Dulce Amarillo habe ich erst am 03.03.2011 eingesetzt. Bis auf letztere habe ich diese noch nachgesetzt, da ich gern einen direkten Vergleich aller für mich interessanter brauner Sorten bezogen auf Geschmack, Schärfe, Größe, Optik und Anspruch anstellen möchte.
Derzeit beläuft sich die Gesamtanzahl der Pflänzchen auf 71 Stück.
lfd. Nr. Sorte gepflanzt Anzahl gekeimt Abgang Keimrate
1 7-pot orange yellow 4 2 3 1 75%
2 Black Habanero 7 1 1 0 14%
3 Brazilian Starfish 2 2 2 0 100%
4 Cabai Chili Tree 4 3 3 0 75%
5 CGN21500 2 2 2 0 100%
6 Citron 2 1 1 0 50%
7 Cueño 2 0 1 1 50%
8 Fatalii white 2 2 2 0 100%
9 Golden Treasure 3 3 3 0 100%
10 Gorria 9 2 2 0 22%
11 Habanero 2 2 2 0 100%
12 Habanero chocolate 2 2 2 0 100%
13 Jalapeño 2 0 2 2 100%
14 Jalapeño Conchos 3 2 3 1 100%
15 Jalapeño Grande 2 1 2 1 100%
16 Jalapeño TAM 2 1 2 1 100%
17 Kleiner Kirschpaprika 4 3 3 0 75%
18 Lemon drop 1 1 1 0 100%
19 Malaysia Long Red 2 1 1 0 50%
20 Maules Red Hot 2 1 2 1 100%
21 Nocturne 2 2 2 0 100%
22 Orange Lantern 5 5 5 0 100%
23 Pasilla 3 2 3 1 100%
24 Piementa de Neyde 4 3 4 1 100%
25 Piment de Piquillo 2 2 2 0 100%
26 Red Cherry Hot 5 4 4 0 80%
27 Rocoto Riesen 4 0 1 1 25%
28 Scarlet Lantern Peru 5 3 5 2 100%
29 Serrano 4 3 4 1 100%
30 Snowwhite 8 3 4 1 50%
31 Sweet chocolate 2 1 2 1 100%
32 Tazmanian Black 2 2 2 0 100%
33 Trinidad Perfume 1 1 1 0 100%
34 Vicentes Sweet Habanero 2 2 2 0 100%
35 Yellow Bumpy 3 2 2 0 67%
36 Jamaican Hot Chocolate 3 0 0 0 0%
37 CGN22207 3 0 0 0 0%
38 Habanero brown 3 0 0 0 0%
39 Brown egg 3 0 0 0 0%
40 Aji Dulce Amarillo 3 0 0 0 0%
41 Tango Light Orange 2 1 1 0 50%
42 Feuerküsschen 1 1 1 0 100%
43 Explosive Ember 3 1 2 1 67%
Gelbe Karte für Trauermücken
Noch vor gut einer Woche ging es den Jungpflänzchen richtig gut. Und dann setzte ein Prozess ein, der mich etwa die Hälfte meiner Zucht gekostet hat. Nach dem Pikieren standen die Pflänzchen bei niedrigeren Temperaturen als im Gewächshaus. Wo im Gewächshaus noch an die 25 ° C herrschten, sind sie nun einer Tagestemperatur von etwa 17 °C und abends 20 °C ausgesetzt. Was ich dabei nicht bedacht hatte, war die Menge an Gießwasser der geänderten Temperatur anzupassen. Die Töpfe blieben daher sehr lange sehr feucht.
Genau das bot einem Feind der Chilis optimale Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen: der Trauermücke. Die kleinen schwarzen Tiere flogen bald zu Hauf durch meine Zucht. Leider war ich mit dem Handeln zu zögerlich und so ließen die ersten Chilis bald die ersten Blätter hängen. Weitere folgten und gingen in kürzester Zeit komplett ein. Beim Enttopfen musste ich feststellen, dass an den Pflänzchen so gut wie keine Wurzeln mehr vorhanden waren. Genau davon ernähren sich nämlich die Larven der Trauermücken. Adulte Mücken leben nur etwa 8 Tage. Genug Zeit, für Nachkommen zu sorgen, indem sie ihre Eier in die feuchte Erde legen.
Um den Rest meiner Zucht zu retten, habe ich mich im Baumarkt großzügig mit Gelbtafeln ausgestattet. Der Fang konnte sich schon nach zwei Tagen sehen lassen.
Die Pflänzchen habe ich zudem zum Trocknen der Erde auf die Heizung geschickt und hinterher mit einem Mittelchen zur biologischen Bekämpfung der Larven gegossen. Das Mittelchen arbeitet mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (BTI), den die Larven fressen und welches für sie tödlich wirkt. Zusätzlich habe ich mir Nützlinge in einem sogenannten Trauermücken-PowerPack bestellt. Hierin enthalten sind Nematoden, kleine Fadenwürmer, die aktiv auf Larvenjagd der Trauermücke gehen und darüber hinaus Raubmilben, die für den langfristigen Schutz der Pflänzchen sorgen.
Die sicher sinnvollste Maßnahme aber war wohl das Pikieren in trockene neue Erde und Entfernen der alten Erde von den Wurzeln.
Drumsticks vom T-Rex
Um dem trostlosen Wetter zu trotzen, habe ich heute angegrillt. Es gab lecker Drumsticks vom T-Rex. Das Rezept entstammt dem Grillsportverein und wurde von mir nur leicht verfeinert:
6 Putenunterkeulen (für 4 Personen)
Dry Rub
- 3 EL Paprika edelsüß
- 2 EL Rosenpaprika scharf
- 1,5 EL weißer Pfeffer
- 2 EL Selleriesalz
- 1,5 El Knoblauchpulver
- 1 El Cayennepfeffer
- 1 EL Chilipulver
- 1 EL Ingwer
- 2 geh. EL brauner Zucker
Glasur
- 4 Zehen Knoblauch
- 3 Chilischoten (1 Habanero, 1 Cayenne, 1 Turuncu Spiral)
- 3 EL brauner Zucker
- 5 El Essig (Chili- und Limettenessig)
- Salz
- Apfelsaft
- Worcestersauce
- Honig
- 1 EL Barbecue-Sauce
Die Drumsticks habe ich am Vortag mit der Dry Rub gut massiert und im Kühlschrank gelagert.
Für die Glasur habe ich die Chilis gemörsert und zusammen mit den anderen Zutaten im Kochtopf kurz aufgekocht. Mangels Smoker wurden die Drumsticks bei 160 °C im Kugelgrill indirekt gegrillt. Nach einer dreiviertel Stunde wurde das erste Mal glasiert, nach einer weiteren dreiviertel Stunde noch einmal.
Insgesamt waren die Drumsticks 2 1/2 Stunden auf den Grill. Für den besseren Geschmack habe ich zur Glut noch Buchenchips und Walnusschalen gegeben. Das Fleisch war hinterher wunderbar zart und hatte einen typischen roten Rauchring. Lecker!
Als Beilage gab es Backkartoffeln, die in Alufolie gewickelt unter den Keulen indirekt gegrillt wurden. Die Kartoffeln brauchen allerdings noch deutlich länger zum Garen. Man sollte sie daher schon etwa eine Stunde vor den Keulen auf den Grill geben oder direkt in die Glut.